Das Fazit nach dem ersten Quartal fällt positiv aus: Der Start ist gelungen, die Systeme funktionieren, und die Praxen arbeiten auf einem guten Niveau mit dem neuen Tarif.
Dieser erfolgreiche Start ist kein Zufall. Er ist das Ergebnis intensiver Vorbereitung, zahlreicher Schulungen, gut umgesetzter Softwarelösungen und klar definierter interner Abläufe. Vor allem aber ist er dem grossen Engagement in den Praxen zu verdanken. Allen Beteiligten gebührt ein herzliches Dankeschön für ihren Einsatz – ohne diese gemeinsame Leistung wäre ein derart reibungsloser Übergang nicht möglich gewesen.
Erste Erfahrungen aus der Praxis
Zu Beginn erforderte insbesondere die korrekte Kombination von Zeit- und Handlungsleistungen (beispielsweise die hausärztliche Konsultation und Organuntersuchung) sowie die sachgerechte Anwendung und Kumulation der Tarifpositionen erhöhte Aufmerksamkeit. Dies betraf unter anderem die Frage, welche Positionen mit hausärztlichen Leistungen aus den Kapiteln [CA.00], [CA.05] und [CA.10] kumulierbar sind. Zudem bringt der TARDOC neue Tarifpositionen mit sich, die von Leistungserbringern zunächst kennengelernt und sicher angewendet werden mussten (vgl. Tarifbrowser, Rubrik «Meine Dignitäten», Dignität «9999 ALLE»).
Parallel dazu gewinnen auch die Anforderungen an die Dokumentation an Bedeutung. Die medizinischen Interpretationen der TARDOC-Positionen sind präziser formuliert, was einerseits Sicherheit in der korrekten Tarifanwendung gewährleisten soll, andererseits jedoch auch eine präzise und sorgfältige Dokumentation erfordert.
Ein besonders häufig diskutiertes Thema im ersten Quartal waren die Limitationen bei den Leistungen in Abwesenheit. Viele Praxen erleben, dass der tatsächliche Aufwand für Leistungen in Abwesenheit des Patienten in der Leistungsgruppe 002 – Büroarbeit die tariflich vorgesehenen Limitationen überschreitet. Dieser Umstand macht deutlich, dass je nach Praxis Anpassungen der praxisinternen Prozesse erforderlich sind.
Rechnungsrückweisungen im Überblick
Entgegen der anfänglichen Erwartung einer hohen Anzahl an Rückweisungen bewegten sich diese in den meisten Fällen auf einem moderaten Niveau. Im ersten Quartal zeigten sich insbesondere folgende Rückweisungsgründe:
- Nicht eingehaltene Angaben gemäss Anhang H zum Tarifstrukturvertrag / Forum Datenaustausch
- Nicht eingehaltene Limitationen
- Verbrauchsmaterial TARDOC (Generelle Interpretation GI-26)
- Fehlende Diagnosecodes
- Fehlerhafte Kombinationen von Leistungen
- Unsicherheiten bei der Abrechnung von ambulanten Pauschalen
- Unklarheiten bei «eingeschränkten Pflichtleistungen» und «Nichtpflichtleistungen»
Aktiv werden bei unklaren Rückweisungen
Das ambulante Tarifsystem ist ein dynamisches System, das sich durch die Anwendung weiterentwickelt – ein Lernprozess für alle Beteiligten. Bei unklaren Rückweisungen empfiehlt es sich daher, aktiv den Dialog mit dem Versicherer zu suchen. Denn nicht jede Rückweisung bedeutet zwangsläufig, dass die Abrechnung fehlerhaft war. Der Austausch trägt vielmehr dazu bei, ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln und die Anwendungspraxis zu harmonisieren. Entscheidend ist, Erfahrungen zu teilen, bestehende Unsicherheiten gezielt zu klären und den Lernprozess konsequent weiterzuführen.
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